Ich befinde mich gerade im christologischen Teil der Prolegomena (also: noch in der Vorrede, die allerdings ca. 1000 Seiten füllt und in sich bereits so ziemlich alle Themen der Dogmatik, u.a. die Christologie bespricht). Typisch für Barth ist hier der Gedanke, dass die Erkenntnis Jesu von Nazareth als Sohn Gottes keine irgendwie menschlich geartete Reflexion auf dessen besondere Persönlichkeit ist („War doch eigentlich ein dufte Typ, oder? Kann man sich einen dufteren vorstellen? Ich glaube nicht! Dann war er wohl Gott, oder so.“), sondern als ein Offenbarungsfaktum jedem theologischen Denken stets vorangeht („Das ist ja wahrhaftig Gottes Sohn! – Äh, was heißt das denn jetzt?“).

Interessant fand ich die Tatsache, dass mir außerhalb von Barth Christologie bisher häufig eine  Art „Verweis-Christologie“ begegnet ist: Christus ist gerade darin Sohn Gottes, dass er eben immer auf den Vater verweist und für sich selbst nichts beansprucht. Bei Barth ist mir jetzt klar geworden, dass das unbedingt ergänzt gehört um den Selbstverweis Christi (beides spielt ja im Johannesevangelium etwa eine Rolle). Denn: Auf Gott verweisen, das tut auch im AT (und NT) jeder vernünftige Prophet! Christus ist aber mehr, nämlich Gott selbst als Mensch. Und erst dann wird es ja spannend, wenn Christus ständig von sich wegweist! Erst dann hat das plötzlich sehr interessante Konsequenzen: Was heißt es für Gottes Wesen, dass er ständig von sich wegweist? Und für unser Selbstverständnis?

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