Barths Gott ist souverän. So souverän, dass es manchmal weh tut. Weil der Mensch (ohne Gott) dabei so klein wird, dass am Ende nichts übrig bleibt. An manchen Stellen scheint aber durch, was an dieser Sicht so verheißungsvoll sein könnte, so befreiend, so – wahr? Zum Beispiel dort, wo es um die Inanspruchnahme des Menschen als Zeuge der Offenbarung Gottes geht (man kann es auch mit einem unmodischen und missverständlichen Wort „Mission“ nennen):

Man bemerkt auch bei den alttestamentlichen Propheten und im Neuen Testament auch bei einem Paulus gerade im Letzten nichts von jener Starrheit und von jenem Zelotismus [=Fanatismus] und darum auch nichts von jenem ängstlichen Eifer, kurz, von jenem Krampf, der sich da einzustellen pflegt, wo der Mensch die causa Dei [=die Sache Gottes] wirklich als seine eigene Aufgabe und Sorge auffasst und behandelt. Sie wollen wirklich nicht tun, was Gott tut. Sie wollen nur dabei sein. Sie operieren nicht, sondern sie assistieren. (KD I/2, 301)

Gerade diese Entkrampfung ist es wohl, die viele (z.B. DoSi) veranlasst, heute lieber von der Missio Dei zu sprechen, als von einer irgendwie auszuführenden Missio hominis. Gerade in dieser Entkrampfung ist man Zeuge, Zeigender, nicht mehr.

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