Es ist ein durch sein ehrwürdiges Alter nicht gerechtfertigter Irrtum, an dessen Verstärkung freilich gerade auch Luther nicht unbeteiligt war, wenn man das Alte Testament als ein Dokument, womöglich als das klassische Dokument einer Gesetzes- und also Werkreligion (…) versteht. (I/2, 339)

Schöner hätte es E.P. Sanders auch nicht sagen können. Aber meint Barth dasselbe? Nicht ganz: Frei von Werkgerechtigkeit ist Israel nach Barths Ansicht nicht etwa durch sein grundsätzliches „religious pattern“, sondern nur an den Orten und bei den Personen, wo Gottes Offenbarung tatsächlich geglaubt wird, wie etwa im Glauben Abrahams (Röm 4!). In Israel hat es, so Barth, immer beides gegeben: Werkgerechtigkeit und Götzendienst einerseits, also Religion als Versuch der Selbstrettung und wahrer Glaube andererseits, also als Anerkennung des einzigen Gottes und seiner Macht zur Errettung des Gottlosen. Werkgerechtigkeit wäre dann also keine angemessene Auslegung des AT, sondern gerade die Blindheit gegenüber der eigentlich im AT schon bezeugten Christuserkenntnis, nämlich: Gott allein rettet den Sünder. Am Ende meint also Barth nicht nur nicht ganz dasselbe, sondern doch eher ganz etwas anderes…

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