Thorstens Frage, ob Barth denn auch gepredigt habe, inspiriert mich dazu, die gerade angekündigte Blog-Unterbrechung doch gleich noch einmal zu unterbrechen. Und zwar mit dem vielleicht schönsten Detail der Barth-Biographie, nämlich der Tatsache, dass Barth in seinen späten Jahren fast nur noch an einem Ort gepredigt hat: In der Basler Strafanstalt. Das tat er mit solcher Freude, dass es hieß, man müsse schon straffällig werden, um den Theologieprofessor noch einmal predigen zu hören.

Da er die Insassen nicht nur anpredigen, sondern kennenlernen wollte, suchte er auch den persönlichen Kontakt. Und berichtet einmal davon, wie er „heute Morgen 3 Mördern, 2 Betrügern und 1 Sittlichkeitsübertreter ausgiebig zugehört habe, kleine Anmerkungen dazwischen gestreut und jedem eine dicke Cigarre überreicht habe.“ Und gefragt hat er sich angesichts dieser Gespräche:

Sollte ich eigentlich doch so etwas wie ein Optimist oder gar eine wandelnde Darstellung der Irrlehre von der apokatastasis panton [Allversöhnung] geworden sein, daß ich nun noch keinen dieser Männer einfach kopfschüttelnd und betrübt verlassen konnte, vielmehr bei Jedem irgendetwas mich selbst Ermutigendes und Erfreuendes gesehen zu haben meinte?

Nachlesen kann man das alles in der noch immer besten und sehr lesenswerten (wie auch eigentlich fast unterhaltsamen) Barth-Biographie, nämlich der von Eberhard Busch: Karl Barths Lebenslauf. Nach seinen Briefen und autobiographischen Texten, auf Seite 430.

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