Gotteserkenntnis im Sinn der neutestamentlichen Botschaft, die Erkenntnis des dreieinigen Gottes bedeutete im Gegensatz zu der ganzen religiösen Welt der ersten Jahrhunderte und sie bedeutet bis heute: radikalste Götterdämmerung. Es war nicht aus der Luft gegriffen, wenn das älteste Christentum von seiner Umwelt des Atheismus beschuldigt wurde (…). Es ist nicht ohne sachlichen Grund, wenn jede genuine Verkündigung des christlichen Glaubens bis auf diesen Tag als eine Störung, ja Zerstörung gerade des religiösen Aufschwungs, Lebens, Reichtums und Friedens empfunden wird. (II/1, 500)

Falls das Christentum auch heute noch als tendenziell „irreligiös“ wahrgenommen wird, ist mir das entgangen. Dass es zu dieser Wahrnehmung kaum noch kommt, hängt sicher mit der Entwicklung und Verbreitung der tatsächlich atheistisch-mechanistischen Weltsicht (Dawkins etc.) zusammen. Kann es aber sein, dass sich Christen als Reaktion darauf tendenziell an allem festklammern, was nach „Übernatürlichkeit“ riecht? Ist es aber tatsächlich so, dass einem die Animisten und Esoteriker jeglicher Coleur religiös näher stehen als der nüchterne Naturwissenschaftler? Hauptsache „übernatürlich“? Die christliche Erkenntnis, dass es einen Gott gibt und daneben überhaupt nur Geschöpfe weist vielleicht doch in eine andere Richtung? Die Welt wirklich Welt sein zu lassen ist womöglich ein urchristlicher Impuls…

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