Die Möglichkeit der Gebetserhörung ist ein ziemliches Problem für die Gotteslehre: Kann es sein, dass die Hand des allwissenden und selbstbestimmten Schöpfers durch das Gebet eines kurzsichtigen und beschränkten Menschen gelenkt wird? Dies ist zum einen ein Problem für die Vorsehungslehre: Weiß Gott nicht selbst am Besten, was zu tun ist? Dann aber auch für die Lehre von Gottes Gottheit, seine Selbstbestimmung und Unveränderlichkeit. Ist Gott nicht derselbe gestern, heute und in Ewigkeit? Wie sollte er seine Meinung auf Grund eines Gebetes ändern? Ist das noch „Gott“, was sich von Geschöpfen bestimmen lässt? Eine (wohl nicht selten gewählte) dogmatische Lösung besteht darin, das Thema zu ignorieren; eine andere darin, das Gebet auf demütige Dankbarkeit zu reduzieren.

Barth versucht in seiner Behandlung der Unveränderlichkeit Gottes (die bei ihm bezeichnenderweise „Beständigkeit“ heißt) beide Aspekte, die Souveränität Gottes und seine Zugewandtheit, so zu verstehen: „Es gibt auf Grund der Freiheit Gottes selbst eine Bestimmung Gottes durch das Gebet des Glaubens.“ (II/1, 574) Gott hat sich selbst in souveräner Freiheit festgelegt, derjenige Gott zu sein, der Gebete des Glaubens (die ja auch nicht wahllose Wünsche sind) erhört. Gottes Unveränderlichkeit ist also keine abstrakte Unbewegtheit und Unbeweglichkeit! Gottes Unveränderlichkeit ist seine Treue zu sich selbst – und er selbst ist eben derjenige, der sich in Jesus Christus als dem Menschen gnädig Zugewandter zu erkennen gibt. Und diesem Gott, der sich in Christus dazu bestimmt hat, Gott für uns zu sein, diesem Gott entspricht es, Gebete zu erhören.

Deshalb ist es „dem Glauben wesentlich, Glaube an den Gott zu sein, der Gebete erhört: nicht weniger als es ihm wesentlich ist, Glaube an den Gott zu sein, der uns frei erwählt und der uns eine ewige Hoffnung gegeben hat.“ (576)